18.01.2011 Klöckner (CDU): Landesregierung muss umstrittene Broschüre zurückziehen

Gleichheit von Mann und Frau ist unverhandelbar – "weltfremde Vorschläge"

Die rheinland-pfälzische CDU-Vorsitzende Julia Klöckner hat die Landesregierung  aufgefordert, die umstrittene Infobroschüre "Muslimische Kinder und Jugendliche in der Schule" sofort zurückzuziehen. "Die rheinland-pfälzischen Lehrer und Eltern brauchen eine verlässliche Handreichung, die Klarheit schafft und Rückendeckung gibt. Und keine Orientierungshilfe, die den Namen nicht verdient und die nicht durchsetzbar ist", sagte Klöckner am Dienstag in Mainz.

In der Broschüre werden Umgestaltungen angeregt, die sich am islamischen Geschlechterbild orientieren und anti-aufklärerisch sind. Sexualkundeunterricht sowie der Sport- und Schwimmunterricht ab der Pubertät sollen, wenn möglich, wieder nach Geschlechtern getrennt werden. Ältere Geschwister sollen mit auf Klassenfahrten genommen werden können – und im Fastenmonat Ramadan soll es möglichst überhaupt keine Klassenfahrten oder andere anstrengenden Aktivitäten geben.

"Das ist weltfremd", betont Julia Klöckner, die studierte Theologin ist. "Wer den islamischen Regeln gerecht zu werden versucht ohne zu differenzieren, der findet sich auch mit der Ungleichbehandlung von Mann und Frau ab. Das ist ein Schlag ins Gesicht für alle muslimischen Frauen, die für Aufklärung, Freiheit und Gleichbehandlung kämpfen. Warum soll das, was für uns gilt, denn ihnen verwehrt bleiben?" fragt die CDU-Politikerin. Die freiheitlichen Werte seien nicht verhandelbar.

Es sei zudem "absurd", dass Lehrer muslimischen Mädchen eine Schwimm-Burka empfehlen sollen. Julia Klöckner forderte eine völlige Überarbeitung des Textes. Ziel muss sein, dass auch Eltern von muslimischen Schülern erkennen, dass freiheitlich-demokratische Werte wichtige Errungenschaften sind und auch für Mädchen gelten müssen.

"Dass Integration das Verständnis und der Bemühung beider Seiten bedarf und dass Toleranz auch den Respekt vor der Religionsfreiheit des anderen einschließt, das ist wichtig. Aber es gibt auch einige unverhandelbare Grundsätze - Religion hin oder her. Diese Grundsätze stehen im Grundgesetz. Darauf kann es für keinen einen Rabatt geben!"

Die umstrittene Broschüre im Internet:

http://eltern.bildung-rp.de/fileadmin/user_upload/eltern.bildungrp.de/Faltblatt_Muslimische_Kinder_und_Jugendliche_in_der_Schule.pdf